Grüße aus der Bretagne – individueller Schüleraustausch mit dem Programm Brigitte Sauzay

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Wie bereits im letzten Schuljahr berichtet, hatten wir im Sommer 2016 für 3 Monate Besuch von 2 französischen Ausstauschschülerinnen, Victoire und Alice, die mit dem Programm Brigitte Sauzay zu uns kamen. Sie wohnten bei ihren Partnerinnen, die sie schon kannten (durch Urlaub und einen vorherigen Schüleraustausch) und besuchten den Unterricht der 10. Klasse. Vom Deutsch-französischen Jugendwerk wird das Programm organisiert und es gibt auch einen Fahrtkostenzuschuss, wenn man einen Abschlussbericht verfasst und bestimmte Bedingungen einhält. Ansonsten ist die Teilnahme sehr einfach und kann flexibel gestaltet werden. Schüler der Jahrgangsstufe 8-11 können für volle 3 Monate, aber auch verkürzt in den Ferien ins jeweilige Nachbarland fahren, sie sollten für 6 Wochen die Schule besuchen, müssen aber nicht, falls sie auf den Fahrtkostenzuschuss verzichten können.

In einem unserer Fälle ist jetzt die deutsche Partnerin, von Victoire, Johanna Friedmann, nach ihrem Abitur und vor Beginn ihres Studiums von September an bei ihrer Freundin und absolviert ihren Teil des Programms. Die Anfangszeit ihres Aufenthalts schildert sie bereits in frohen Farben, wie man den folgenden Zeilen entnehmen kann:

„Seit dem 5. September bin ich jetzt schon in Guer in der Bretagne (= im Nordwesten Frankreichs, in der Nähe der Atlantikküste). Ich habe schon genau eine Schulwoche hinter mir. Ich gehe jeden Tag von 8.10 Uhr bis 16.25 Uhr in die Schule, außer mittwochs, da bin ich schon um 13 Uhr daheim. Ich bin in einer Klasse première L, [die Literatur und Sprache als Schwerpunkt hat. Deshalb haben wir 7 Stunden Französisch in der Woche und 8 Stunden Englisch (normales Englisch, Literatur und vertieftes Englisch). In den mathematischen oder wirtschaftlichen Zweigen haben sie davon deutlich weniger. Dafür haben sie mehr Mathe und in der Serie L ist Mathe nicht einmal Pflicht.]

In meiner Klasse sind weitere Austauschschüler, die für ein Jahr bleiben: Finnland,  Montenegro, die Türkei und sogar Thailand sind vertreten. In einer anderen Klasse ist ein Mädchen aus Deutschland, das auch mit dem Brigitte-Sauzay-Programm für drei Monate in der Bretagne ist. Ich habe 6 Stunden Französisch in der Woche…. Ich kann ganz gut dem Unterricht folgen. Der Vorteil ist, dass ich die Themen von Histoire-Géo und Droit schon aus Deutschland kenne (z.B. Wirtschaftswachstum und -krisen aus WR und Geschichte). Mathe ist auch nicht schwer, wenn man einmal weiß, was die Fachbegriffe heißen und die Aufgabenstellung verstanden hat. Die naturwissenschaftlichen Fächer, wo es um Biologie und Chemie geht, sind etwas schwerer. Davon habe ich aber auch nur zwei Stunden in der Woche. Die Fächer hatte ich in der Oberstufe nicht und ich muss in die Themen erstmal wieder reinkommen. Englisch und Deutsch sind bisher meine Lieblingsfächer, weil ich da alles leicht verstehe. Heute habe ich mit einer Freundin eine englische Präsentation über Mekka gehalten, die sehr gut war. Mir ist aufgefallen, dass die Schüler hier nicht so ein hohes Niveau im Englischunterricht haben wie bei uns in Deutschland. Deshalb fällt es mir leicht, mich im Unterricht zu beteiligen und gut zu sein. Schwierig wird es nur immer, wenn die Übersetzung von einem englischen Wort ins Französische oder anders herum gefragt wird. Da muss ich im Moment meistens noch eine Station im Deutschen in Gedanken machen. Aber selbst das ging heute schon besser als letzten Dienstag. In Deutsch haben Victoire und ich in unserer ersten Stunde vom Austausch und Victoires Zeit in Deutschland erzählt. Gestern durfte ich auch schon der Lehrerin helfen. Die Klasse hat 30 Schüler und deshalb durfte ich in der Partnerarbeit mich auch umhören, helfen und Fragen stellen und beantworten. Das hat Spaß gemacht und darf ich auch öfters machen, weil es natürlich auch für die Lehrerin eine Erleichterung ist.

In der Familie klappt auch alles gut und ist sehr schön. Wir hatten schon Besuch von Freunden. Am Samstag hab ich gemeinsam mit Victoire, ihrer kleinen Schwester und ihrer Mama bei einer Hochzeit die Musik gemacht und am Sonntag waren wir in Vannes am Meer. Unsere Vorhaben hängen nur immer von den Hausaufgaben ab, weil man viel Arbeit für die Schule hat, obwohl wir erst um 17.30 Uhr heimkommen.

Ich soll auch schöne Grüße von Victoire ausrichten.

Ich freue mich auf die drei Monate in der Bretagne. Sie haben ja gerade erst angefangen.

[…] Langsam habe ich mich an den Schulalltag gewöhnt. Ich finde es jetzt nicht mehr so anstrengend wie am Anfang immer erst um 17.30 Uhr von der Schule heimzukommen. In den Schulgebäuden finde ich mich auch besser zu Recht, sodass ich manchmal alleine ohne falsch zu laufen das Klassenzimmer finde. Ich habe auch Freunde in meiner Klasse gefunden, auf die ich mich jeden morgen freue. Die Klasse hat schon mehrere Prüfungen geschrieben, bei denen ich immer mitgeschrieben habe. In Englisch hatten wir gestern ein Vokabelquiz und eine Hörübung. Wir mussten eine französische Zusammenfassung des Interviews schreiben. Ich denke auch, dass mir das ganz gut gelungen ist. In Deutsch hab ich im Vokabeltest alle Punkte geschafft. In Französisch stand am Montag eine Schulaufgabe an. Da musste die Klasse einen Text von Jules Verne interpretieren. Da das noch zu schwer für uns Austauschschüler war, haben wir eine extra Aufgabe bekommen. Wir mussten ein Gesicht beschriften und einen Text darüber schreiben, wie wir uns in 10 Jahren sehen. Die Französischlehrerin hat gesagt, diese Schulaufgabe hat den Sinn, dass sie sieht, wo jeder persönlich steht. In Deutsch haben wir in dieser Woche die Bildung des Perfekts wiederholt. Es war echt interessant, die deutsche Grammatik im Unterricht einer Fremdsprache zu sehen, …. Als Hausaufgabe müssen wir einen Aufsatz mit Infos über den Brigitte-Sauzay-Austausch schreiben. Das soll ich auf Französisch machen.

Es lohnt sich echt, am Austausch teilzunehmen. Ich hab jetzt nach zwei Wochen schon so viel gelernt.

[…] wir haben gestern ein Foto bei uns im Garten gemacht. Es war noch einmal richtig sommerliches Wetter.

In meiner ersten Schulwoche haben wir ausländische Schüler bei der offiziellen Begrüßung auch Interviews für drei Zeitungen hier gegeben. […]Ich habe alle drei Artikel bekommen. […] Ich fand es sehr interessant zu lesen, was die verschiedenen Zeitungen aus ein und demselben Gespräch gemacht haben.[…]

Ich hab für fast jedes Fach etwas zu lernen, weil ich immer die Prüfungen mitschreibe. In manchen Fächern, wenn es zu schwer ist, wie Französisch oder Geschichte, kriegen wir extra Aufgaben und bleiben nicht arbeitslos.

Mir gefällt alles sehr gut und ich bin schon gespannt, was ich diese Woche alles erlebe.

Viele Grüße aus der Bretagne

Johanna