Vortrag von Prof. Dr. Ludwig Haag von der Universität Bayreuth an der Gesamtschule Hollfeld am 23.11.2017 – eine schulinterne Fortbildung

Lernlandschaft 6a

Vier Jahre sind bereits vergangen, in denen die GSH ihre Lernlandschaften für die Jahrgangsstufen 5 und 6 nutzen darf und den Schülerinnen und Schülern das „EVA-Lernen“ (eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen) geboten wird. Um zu erfahren, wie wirksam unsere neue pädagogische Einrichtung mit dem Konzept des EVA-Lernens ist, hatten wir seinerzeit Prof. Haag gebeten, eine Evaluation durchzuführen.

Dies ist ein aufwändiges Verfahren. Zum einen bedarf es der Genehmigung des Kultusministeriums, dem man entsprechende Unterlagen zukommen lassen muss, zum anderen bedarf es der Zeit. Diese Evaluation war über zwei Jahre angelegt, was bedeutete, dass wir jeweils zu Beginn eines Schulhalbjahres gemeinsam mit den   Schülern der Orientierungsstufe einen ganzen Satz Fragebögen auszufüllen hatten, und zwar Schüler wie Lehrer. Insbesondere waren die Fächer Deutsch und Mathematik gefragt. Das war bei ca. 160 Schülern auch eine Menge Papier, die da zwischen Bayreuth und Hollfeld hin und her transportiert wurde. Aber wir hatten das Bedürfnis, mehr über unsere Arbeit zu erfahren.

Nun wissen wir zwar nicht alles, aber zumindest ist klar geworden, dass unsere Schülerinnen und Schüler durchaus von dem Konzept in Hollfeld profitieren. Die besonderen Höhepunkte der Ergebnisauswertung waren auf einer Skala von 0 bis 4:

  • ein besonders hohes „Fähigkeitsselbstkonzept“ unserer Schülerinnen und Schüler(festgemacht am Fach Deutsch), das Werte von 2,7 bis 3,3 aufweist
  • eine allgemeine „Selbstwirksamkeit“ mit Werten von 2,8 bis 3,1 (Festgemacht am Fach Mathematik)
  • eine hohe Fähigkeit der „Selbstreflexion“ (Meine Stärken und Schwächen kenne ich genau), im Rahmen von 3,2 bis 3,5

Angesichts der Tatsache, dass diese Ergebnisse in anderen Schulen deutlich schlechter ausfallen, können wir in Hollfeld tatsächlich von einem „Peer-Tutoring-Effekt“ sprechen. Das geht natürlich besonders gut in Schulen des Typus „Gesamtschule“, wo man davon ausgehen kann, dass die Schwächeren durch stärkere Schüler gestärkt werden, umgekehrt aber auch die guten Schüler eine Stärkung durch ihre Position des Tutors erfahren: Wer anderen hilft, sie womöglich lehrt, lernt noch einmal mehr!

Allein ein Problem blieb am Schluss, nämlich das derjenigen Schüler, die sich im „Wohlfühlambiente“ der GSH gern die Dinge schönreden und damit zum Traumtänzer werden, der nicht mehr sieht, was wirklich notwendig zu tun ist. Aber ist das nicht ein Phänomen, welches wir von anderen, sogenannten Regelschulen auch kennen?!

Darüber hinaus bekam das Kollegium aber gleich noch ein paar weitere „Einsichten“ in ein zeitgemäßes und pädagogisch sinnvolles Unterrichten, angefangen bei den von Prof Haag favorisierten Doppelstunden bis hin zur Forderung nach festen Zeitfenstern für Lehrer zur gemeinsamen Unterrichtsvorbereitung. Nicht nur Schüler sollen Teamplayer werden, Lehrer könnten hier, vor allem zum eigenen Nutzen, mit Vorbild vorangehen.

Wir sehen also: Der eingeschlagene Weg ist richtig, aber es gilt, weiter voranzukommen.

Prof. Haag ein herzliches Dankeschön für den durchaus unterhaltsamen Vortrag!