The White Horse Theatre zu Gast an der GSH

Englisch1

Silver Jane

Am 18. Mai, am Tag vor dem Beginn der Pfingstferien, wurde unseren Schülern ein besonders unterhaltsamer Start in die Ferien geboten. Die jungen englischsprachigen Schauspieler des Whitehorse Theatre aus Soest waren mit zwei Theaterstücken zu Gast.

Zum einen wurde für alle Schülerinnen und Schüler des 6. Jahrgangs das von Peter Griffith verfasste Theaterstück Silver Jane aufgeführt. Dabei handelt es sich um eine Art modernes Märchen, in dem Silver Jane, ein mit überirdischen Fähigkeiten ausgestattetes Mädchen, alles Böse überwindet und dem Guten zum Siege verhilft. Silver Jane, gespielt von der 23 jährigen Yasmin Freeman aus London, wurde als Kind von einem armen, alten Holzfällers und seiner Frau im Wald gefunden und als Kind angenommen. Sie, die mit feinem silbernem Haar zur Welt kam, spürt jedoch, dass sie anders ist als andere Kinder und sie ahnt, dass ihre eigentliche Herkunft geheimnisvoll ist. Denn kann sie, ein wahrhaftiges Genie, das schneller rechnen kann als der Taschenrechner des Lehrers und die die Antwort auf alle Fragen des Lehrers kennt, wirklich die Tochter von armen, aber herzensguten Hinterwäldlern sein? Sie fragt ihre Eltern nach ihrer Herkunft, doch auch sie können ihr nicht helfen.

Im Laufe des Stücks wird Silver Jane mit dem schlimmsten Mobber der Schule fertig, sie weist einen Bankräuber in die Schranken und sie rettet im Wald Rupert, einen Computer Programmierer, vor einem gefährlichen Bären.

Eine Stimme sagt ihr, dass sie von einem anderen Planeten kommt und dass das Universum in großer Gefahr ist und nur sie die Welt vor dem schrecklichen Ungeheuer, dem Blurg of Squolth, retten kann.

Silver Jane kämpft mit dem Ungeheuer und ringt es nieder, doch im Augenblick ihres Sieges kollabiert Jane, denn ihre Computerfestplatte wurde in dem Kampf beschädigt. Da kann ihr nur einer helfen, der Computerprogrammierer Rupert, den sie einst vor dem Mobber geschützt hat und später als schönes Mädchen im Wald vor dem gefährlichen Bären gerettet hat. Rupert repariert Silver Janes Computer und die beiden fliegen zurück zur Erde. Dort entscheidet sie sich für ein Leben auf der Erde zusammen mit ihren liebevollen alten Pflegeeltern, die sie aufgezogen haben und natürlich auch mit ihrem Freund Rupert.

Die vier jungen Akteure, die außer Silver Jane, in zahlreiche Rollen schlüpften, überzeugten allesamt ihr gespanntes Publikum voll. Die Mädchen freuten sich sicher, dass von einem so zarten Wesen wie Silver Jane eine so positive Kraft ausgehen konnte.

Liam Alexandru, der aus Birmingham stammt, war nicht nur der alte Holzfäller, sondern auch der gemeine Mobber, der Bankräuber und das fürchterliche Monster. In all diesen Rollen kam Liams schauspielerisches und vor allem komödiantisches Talent zum Tragen. Der 22jährige Schauspieler zeigte mit seiner kraftvollen Stimme, die seinen Rollen die nötige Ausdruckskraft verlieh, die ganze Bandbreite seines schauspielerischen Vermögens.

Auch Stewart Crank, der aus Manchester und einer Schauspielerfamilie stammt, hat seine vier Rollen als Erzähler, Lehrer, gemobbter Schüler und schließlich als Rupert, der Computerprogrammierer, überaus glaubhaft verkörpert. Aber auch Sophie Stoneman als alte Mutter von Silver Jane zeigte ihr schauspielerisches Talent, das aber bei der zweiten Aufführung noch viel mehr zum Tragen kam.

Die Schüler unserer sechsten Klassen waren ein tolles und sehr aufmerksames Publikum, so dass es nach der Aufführung zu einem lebhaften Gespräch mit den Akteuren kam, die ihre Lieblingsfußballmannschaften verrieten, Birmingham Football Club, Manchester City und Bayern München. Diese Äußerung, die sicher eher lustig als ehrlich gemeint war, führte zu dem gewünschten Effekt, nämlich zu einem Beifallssturm des Publikums.

Auch die vier Sätze auf Deutsch, die die Schauspieler vortrugen: „Ich möchte ein Schnitzel mit Pommes“, „Kann ich ein Bier haben?“, „Ich liebe Deutschland“, „Das Auto ist kaputt.“, trugen zur allgemeinen Erheiterung des Publikums bei.

Am Ende spendeten die Schüler begeisterten Beifall.

 

All’s Well That Ends Well

Nach einer kurzen Pause stand für unsere Mittelstufenschüler ein weiteres Theaterstück auf dem Programm. Mit einer schülergerechten Adaption des Shakespearestückes All’s well that ends well. zeigten die vier Akteure des White Horse Theatre ihre ganze Professionalität. Die Zuschauer waren Schülerinnen des Gymnasialzugs der achten, neunten und zehnten Klassen.

Ende gut alles gut, das ist der deutsche Titel, gehört zu der Kategorie der Problemstücke und ist eines der am wenigsten aufgeführten Shakespearestücke. Dennoch ist es besonders interessant für ein junges Publikum, da es viele Elemente der Identifikation bietet.

Der männliche Protagonist Bertram, der von Stewart Crank verkörpert wurde, will unbedingt seine männliche Stärke und seinen Wert unter Beweis stellen. Er rebelliert gegen Autoritäten und die Erwartungen seiner Eltern. Indem er sich dem Militärdienst verschreibt, gewinnt er für sich die Unabhängigkeit und kann dem Zwang der Ehe und anderen gesellschaftlichen Verpflichtungen entgehen.

Helena, gespielt von Yasmin Freeman, ist eine kraftvolle Heldin, die wie Bertram sehr moderne Ansichten vertritt. Fest dazu entschlossen den Mann, den sie liebt zu heiraten, überwindet sie alle Hindernisse und nimmt ihr Schicksal in ihre eigenen Hände. Sie weigert sich, sich über Geschlechtsstereotypen zu definieren, stellt sich sozialen Hierarchien entgegen und verfolgt ehrgeizig ihr Ziel. Für beide Hauptprotagonisten ist es eine Reise des Erwachsenwerdens, aber reifen sie wirklich?

All’s well that ends well wirft Fragestellungen auf, die auch für ein modernes Publikum immer noch relevant sind, es geht um Spannungen zwischen der älteren und der jüngeren Generation, zwischen Mann und Frau, Liebe und Lust und auch um die Unterschiede der sozialen Klassen. In dem Stück werden verschiedene moralische Fragen aufgeworfen, zum Beispiel auch die, ob eine Frau bei der Liebe den ersten Schritt tun sollte oder auch ob es moralisch vertretbar ist, wenn eine Frau absichtlich gegen den Willen des Mannes schwanger von ihm wird.

Die jungen Akteure fesselten ihr Publikum mit einem temporeichen Spiel. Man konnte den gespannten Gesichtern der Schülerinnen und Schüler ansehen, mit welch großem Interesse sie das Geschehen auf der Bühne verfolgten. Identifizierten sie sich mit Helena, die jedes Mittel einsetzt, um den geliebten Mann zu gewinnen oder lagen ihre Sympathien bei dem jungen Mann, der sich dieser Liebe mit aller Macht entziehen will? Würde es Helena gelingen, doch noch die unmöglichen Bedingungen, die ihr Bertram stellt, um wahrlich seine Frau zu werden, zu erfüllen?

Mit dem „bed trick“ schafft Helena schließlich das Unmögliche, doch Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn uns dieser „Sieg“ nicht zum Nachdenken bringen würde. Kann man sich mit einem Trick Liebe erschleichen und ist am Ende wirklich alles gut?

Zumindest für die jungen Zuschauer war alles gut, denn ihnen wurde „echtes Theater“ vom Feinsten geboten, dabei waren es auch oder vielleicht auch gerade die Nebencharaktere, die mit ihrem herausragenden Spiel das Publikum auf das köstlichste unterhielten. Liam Alexandru mimte überzeugend den alten König und Sophie Stoneman brillierte in einer Doppelrolle als Herzogin und als Diana, die zur Komplizin Helenas beim „bed trick“ wird. Besonders in der Rolle der Diana, die den liebestollen Bertram mit allen Waffen einer Frau umgarnt, ihn umschmeichelt und schließlich zu Helena ins Bett führt, zeigte Sophie Stoneman ihr umwerfendes komödiantisches Talent.

Unsere Schüler genossen die schöne Aufführung spürbar, es fiel ihnen auch sichtlich nicht schwer das Englisch der Schauspieler zu verstehen. Für die allermeisten von ihnen war es sicherlich die erste Begegnung mit Shakespeare, dem größten und vielschichtigsten englischen Dramatiker aller Zeiten und da es ihnen gut gefallen hat, sicherlich auch nicht die Letzte.

Heidi Hertel